Feste und Gottesdienste im Kirchenjahr

Das Kirchenjahr feiert die Eckdaten des christlichen Glaubens. Was für den Glauben zentral ist, findet im Kirchenjahr seinen Niederschlag.
 
Ob es nun Weihnachten ist, wo daran erinnert wird, dass Gott das Dunkel menschlichen Lebens erhellt, oder Ostern, der Triumph der Auferstehung über den Tod: Wer das Kirchenjahr mitfeiert, lernt das Wesentliche des christlichen Glaubens kennen.

Das junge Christentum hat sich an der jüdischen Festtradition orientiert. Die wichtigen Ereignisse aus dem Leben Jesu und der frühen Christenheit wurden nach und nach in den Kalender eingeordnet:

  • Pfingsten – Fest des Heiligen Geistes und Entstehung der Kirche (am jüdischen Wochenfest)
  • Karfreitag und Ostern – Kreuzigung und Auferstehung (am jüdischen Passafest)
  • Weihnachten – die Geburt Jesu (wie das jüdische Lichterfest an der Wintersonnwende)

Überstrahlt werden alle Feste vom Sonntag, dem ersten Tag der Woche, an dem Jesus auferstanden ist. Daher wurde im Christentum vom Sabbat (Samstag), dem jüdischen Ruhetag, auf den Sonntag übergegangen. Schon bald wurde jeder Sonntag verbunden mit einem Ereignis aus dem Leben Jesu. Das Kirchenjahr entstand.

 

Spirituelle Rhythmen erleben: Gottesdienste zu Jahr und Tag

Christen glauben, dass Zeit ein Gottesgeschenk ist. Wie wertvoll dieses Geschenk ist, kann man erleben, wenn Zeit nicht einfach nur verrinnt, sondern dem Leben immer wieder eine besondere Qualität gibt: Vorbereitungszeiten, Höhepunkte und Zeiten des Nachklingens geben der Zeit einen Rhythmus, der Körper, Seele und Geist wohltut.
 
Unsere Zivilisation ist bis heute geprägt von einem Kulturgut, das das junge Christentum aus seiner jüdischen Wurzel übernommen hat: die Sieben-Tage-Woche mit dem Sabbat als Tag der Ruhe und des Gedenkens an Gottes Schöpfungs- und Befreiungstat. Von Anfang an feierten Christen neben dem Sabbat den ersten Tag der Woche als Tag der Auferstehung Jesu, den Sonntag. Nach und nach wurden die Ereignisse aus dem Leben Jesu den Sonntagen zugeordnet. Man orientierte sich dabei am jüdischen Festkalender:
Das Fest der Geburt Jesu (Weihnachten) liegt wie das jüdische Chanukkafest in der Nähe der Wintersonnenwende; Karfreitag und Ostern nahe beim jüdischen Passafest; das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten) in der Nähe des jüdischen Wochenfestes. So entstand ein spiritueller Jahreskreis, durch den jede Christin und jeder Christ die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Gottes mit den Menschen, die im Glaubensbekenntnis zusammengefasst sind, miterleben kann. Die Gottesdienste des ganzen Jahres sind geprägt von diesen Festen mit ihren Zeiten der Vorbereitung und des Nachklingens. Das erkennt man an den biblischen Lesungen, den Liedern und auch an den Farben, die Kanzel und Altar schmücken - und manchmal auch die Stola der Pfarrerin / des Pfarrers. 
 
 

 

Das Wort "adventus" (lateinisch) hat dieselbe Bedeutung wie das griechische "epiphaneia" und bedeutet: Erscheinung, Ankunft, Anwesenheit. Gemeint war in der Antike die Ankunft und Anwesenheit eines Kaisers oder Königs - also eines hohen Würdenträgers - oder auch einer Gottheit im Tempel. Die Bezeichnung "Advent" für die Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt Jesu deutet auf die Bedeutung dieses Ereignisses für die Christen hin: Jesus, der in Armut geboren wird, ist der wahre König und Erlöser der Welt. So haben es die Hirten auf den Feldern von Bethlehem von den Engeln erfahren: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren; welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“Die Kirche kennt die Adventszeit bereits seit dem 5. Jahrhundert nach Christus. Damals war sie Vorbereitungszeit der Täuflinge auf die Taufe an Epiphanias (6. Januar). Wie alle Vorbereitungszeiten war sie geprägt durch Übungen des Fastens und der Umkehr zu einem neuen Leben (Buße). Sie dauerte ursprünglich vom 11. November bis zum 6. Januar - also die biblische Anzahl von 40 Fastentagen (ausgenommen die Samstage und Sonntage, an denen nicht gefastet wurde). Papst Gregor I. legte im 6. Jahrhundert 4 Adventssonntage fest, die um 1570 unter Papst Pius V. verbindlich wurden.In der Kirchengeschichte entwickelten sich zwei Deutungen der Adventszeit. Die eine wies auf den endzeitlichen Charakter der Wiederkunft Christi und das damit verbundene Gericht hin und machte den Advent zu einer Zeit der Umkehr. Die andere deutete die Zeit als freudige Vorbereitung auf die Geburt des Erlösers. Diese beiden gegensätzlichen Bedeutungen haben die unterschiedlichen Charaktere der 4. Adventssonntage geprägt:
 
Der 1. Advent erzählt vom Einzug Jesu in Jerusalem:
"Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer!" (Sacharia 9,9)
Mit ihm beginnt die Vorbereitung auf die Geburt des Erlösers und den Neuanfang, den die Welt mit seiner Geburt geschenkt bekommt. Deshalb beginnt das neue Kirchenjahr mit dem 1. Advent.
 
Am 2. Advent wird an die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten erinnert:
"Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!" (Lukas 21,28)
 
Am 3. Advent wird Johannes der Täufer als Wegbereiter für Jesus in den Blick genommen:
"Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig!" (Jesaja 40,3+10)
 
Am 4. Advent wird die Freude Marias über die angekündigte Geburt Jesu gefeiert:
"Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!" (Philipper 4,4+5)Heute verbinden die meisten Christinnen und Christen mit dem Advent die Vorfreude auf die Geburt des Erlösers Jesus Christus. Mit der Erinnerung an den Neuanfang, den die Welt mit seiner Geburt geschenkt bekommt, beginnt für sie das neue Kirchenjahr. In der Evangelischen Kirche in Deutschland wird am ersten Advent die jährliche Sammlung „Brot für die Welt“ eröffnet.
Das Kirchenjahr beginnt mit dem ersten Sonntag im Advent. Die vier Sonntage im Advent unterbrechen die vorweihnachtliche Fastenzeit. Advent = Ankunft. Es ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft des Messias.
 
 

Die Geschichte des Christentums kann mit vielen seltsamen Entwicklungen aufwarten. Eine der erstaunlichsten ist, wie es kam, dass ein Fest, das lange im Schatten der wirklich großen christlichen Feste lag, zum heute populärsten Fest der Christenheit geworden ist: Weihnachten.
 
Jahrzehnte lang hatten die frühen Christen wenig Interesse an der Geburt ihres Erlösers – viel höher schätzte man den Tag der Auferstehung, dann den Tag der Kreuzigung und den Tag der Gründung der Kirche, die man am Pfingstfest feierte. Bis heute ist das Entstehen des Weihnachtsfestes nicht ganz geklärt.
 
Die wahre Sonne
Die frühesten Zeugnisse eines feierlichen Begehens des Geburtstermins Jesu stammen aus den östlichen Kirchen des Römischen Reiches. Dort feierte die Kirche in den ersten drei Jahrhunderten am 6. Januar „Weihnachten“. Allmählich aber begann sich in theologischen Schriften immer stärker der 25. Dezember als Festtagsdatum durchzusetzen. Das Datum ging von Rom aus, dort feierte man den Tag, bis zur christlichen Eroberung des Datums nach einem Erlass des Kaisers Aurelian, als „Fest der Sonne“. Dass ein römischer Bischof Mitte des vierten Jahrhunderts den 25. Dezember als Tag der Geburt Christi festlegte, sollte der Welt deutlich machen, dass „die wahre Sonne“, Christus, an die Stelle des Sonnengottes getreten war. Eine zweite Deutung des Termins ist eine rein theologische Konstruktion.
 
Die Zeugung Jesu soll am 25. März, dem Fest der Verkündigung seiner Geburt, geschehen sein. Das ist zugleich die Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr, traditionell als der erste Schöpfungstag der Welt und der erste Tag der Menschheit nach biblischem Verständnis.
 
Neun Monate später wird Jesus geboren – der Tag der Erlösung der Menschheit. Das Weihnachtsfest breitete sich rasch über das gesamte Gebiet der römischen Reiche aus, bereits um 400 wurde der 25. Dezember bis auf wenige Ausnahmen in den Gemeinden als Tag der Geburt Christi gefeiert. Kaiser Justin II. ordnete um 570 das Weihnachtsfest für den 25. Dezember für allgemein verbindlich an. Ein Datum, das bis heute gilt.
 
Ralph Ludwig, Theologe und Journalist
(mit freundlicher Genehmigung der Redaktion "Standpunkte", das evangelische Magazin für Baden mit chrismon plus, erschien monatlich bis Ende 2008)
Am Heiligen Abend (24. 12.) feiern wir die Geburt Christi, dem versprochenen Messias. Mit ihm beginnen die Feiern zum Weihnachtsfest (25. 12.).
 
 

Die Weihnachtszeit beginnt am 1. Weihnachstag und reicht bis zum letzten Sonntag nach Epiphanias, wobei die Tage zwischen dem 25.12. und dem 06. Januar den Kern der Weihnachtszeit bilden.
 
"Ich steh an deiner Krippen hier..."
Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu. Der 25. Dezember als Geburtstag ist biblisch nicht belegt, sondern beruht auf äußeren Überlegungen, wie sie unter "Weihnachten" beschrieben sind.
Wurde früher die Geburt Jesu auch in Deutschland am 25.12. gefeiert, so hat sich bei uns die Tradition herausgebildet, schon am Heiligen Abend, also am 24.12. in die Nacht der Geburt hineinzufeiern. Die Gottesdienste an diesem Tag sind sehr gut besucht, der erste Gottesdienst am Nachmittag ist meist einer mit einem Krippenspiel, der letzte, die Christmette am späten Abend, ist von einer sehr dichten und anrührenden Atmosphäre geprägt.
 
"Von guten Mächten wunderbar geborgen..."
Für Luther war der 25.12. der erste Tag des neuen Jahres, da durch die Geburt des Heilandes eine neue Zeit anbricht - und er diesen Tag somit auch als Neujahrstag verstanden hat. Dennoch hat sich dieser Tag als Neujahrstag auch innerkirchlich nicht durchsetzen können.
Luther wollte dagegen den 1. Januar als Fest der Beschneidung Jesu verstanden und begangen wissen. Lukas berichtet in seinem Evangelium, dass Jesus am 8. Tag nach seiner Geburt beschnitten wurde (Lukas 2,27). Diese Bedeutung des 1. Januars ist aber zunehmend dem Neujahrstag als Jahresbeginn gewichen, den auch die evangelische Kirche mit einem Gottesdienst zum Neujahrstag feiert - und den viele Menschen nutzen, um mit Gottes Segen gestärkt das neue Jahr zu beginnen und mit tröstlichen und ermutigenden Liedern, wie Bonhoeffers "Von guten Mächten" ihren Weg zu gehen.
Am 6. Januar feiern Christen das Epiphaniasfest. Der Name ist griechisch und bedeutet "Erscheinung".

In der frühen Kirche wurde an diesem Tag die Geburt Jesu gefeiert. In den Kirchen des Ostens ist das heute noch so. Schließlich wurde es zu einem Fest, an dem drei Anlässe begangen:
  • die Geburt Jesu,bei der die Engel ihn den Hirten von Bethlehem als Erlöser der Welt offenbaren (Lukas 2,10-11);
  • seine Taufe, bei der eine Stimme vom Himmel ihn als Gottes Sohn bezeichnet (Matthäus 3,13-17); und
  • sein erstes Wunder durch das er von den Menschen als Gottessohn und Erlöser erkannt wurde. Dieses Wunder geschah übrigens anlässlich einer Hochzeit und diente dazu, dass der Festgesellschaft der Wein und die Laune nicht ausging: Jesus verwandelte Wasser in Wein (Johannes 2,1-12).
Später wurde an Epiphanias auch an die Anbetung Jesu durch drei weise Männer aus dem Osten erinnert (Matthäus 2,1-12). Da die drei lange Zeit fälschlich für Könige gehalten wurden, wird dieser Tag deshalb bis heute auch "Heilige Drei Könige" genannt.
 
Die unterschiedlichen Bedeutungen dieses Tages sind im Laufe der Zeit auf die Sonntage nach Epiphanias verteilt worden. Ein Motiv aber durchzieht die ganze Epiphaniaszeit, die vom 6. Januar an bis zu 6 Wochen dauert: das Licht als Symbol für den „erscheinenden“ Christus.

Letztlich geht es am Epiphaniastag um die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Diese Botschaft gilt jedem einzelnen Menschen und zugleich der ganzen Welt.
 
Die Weihnachtszeit umfasst die Tage der 12 Heiligen Nächte. Sie beginnen am Heilig Abend (24.12) und enden an Epiphanias (06. 01.) (Erscheinungsfest).
 
 

Von den Fastentagen zur Passionszeit
In den Wochen vor dem Osterfest, an dem die Christen die Auferstehung Jesu von den Toten feiern, gedenken sie der Leiden Christi vor dessen Tod am Kreuz. Bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. waren die zwei Tage vor dem Ostersonntag Fastentage. Bald schon wurde die gesamte Karwoche zur Fastenwoche.
 
Das Konzil von Nicäa legte 325 n. Chr. 40 Fastentage vor Ostern fest, die aber nicht an einem Stück abgehalten wurden.  . Im 7. Jahrhundert wurde unter Papst Gregor I. daraus eine durchgehende 40-tägige Fastenzeit, die am Aschermittwoch begann und an Ostern endete (ausgenommen Samstage, Sonn- und Feiertage). Öffentlich bekannte Sünder wurden am Aschermittwoch aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen und sollten die Fastenzeit zur Umkehr (Buße) nutzen. Sie wurden am Gründonnerstag wieder in die Gemeinde aufgenommen. Wie auch schon die damalige Adventszeit, waren diese Wochen eine Zeit der Taufvorbereitung für die Täuflinge, die in der Osternacht getauft wurden.
 
Martin Luther war es wichtig, den Charakter der Vorbereitungszeit auf Ostern zu verändern. Er sah in der Übung des Fastens die Gefahr, dass sich die Gläubigen mehr auf das Gelingen bzw. Misslingen der eigenen Bemühungen als auf das Vertrauen zu Gott konzentrierten. Ihm lag daran, das Vertrauen der Gläubigen in die Liebe Gottes durch die Meditation des Leidens und Sterbens Jesu Christi für die Sünden aller Menschen zu stärken. So wurde die Zeit vor Ostern in der evangelischen Kirche zur Passionszeit (Passion = Leiden). In vielen evangelischen Gemeinden finden in diesen Wochen besondere Passionsandachten statt, die den Weg Jesu ans Kreuz bedenken. Auch für Exerzitien im Alltag ist die Passionszeit besonders geeignet. Heute entdecken viele evangelische Christen die Passionszeit auch wieder als eine Zeit des persönlichen Verzichts.
(Näheres dazu finden Sie weiter unten.)
 
Auch in den sonntäglichen Gottesdiensten ist eine Art von „Fasten“ erkennbar: Die besonders feierlichen Gesänge, das Gloria und das Halleluja erklingen in dieser Zeit nicht. Erst zu Ostern stimmt die Gemeinde diese beiden Gesänge wieder an. Die sechs "Sonntage in den Fasten" sind benannt nach den Anfangsworten der lateinischen Eingangspsalmen:
Invocavit: "Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören." (Psalm 91,15)
Reminiscere: "Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit." (Psalm 25,6)
Oculi: "Meine Augen sehen stets auf den Herrn." (Psalm 25,15) 
Laetare: "Freuet euch mit Jerusalem!" (Jesaja 66,10)
Judica: "Gott, schaffe mir Recht!" (Psalm 43,1)
Palmarum
 
Im Jahr 1983 haben einige Journalisten und Theologen nach einem lustigen "Kneipenabend" beschlossen, die Passionszeit bewusst als eine Zeit des Verzichts zu gestalten - und sieben Wochen zu fasten. Daraus wurde eine jährliche Bewegung.
Inzwischen ist diese Aktion mehr als 25 Jahre alt und viele Hunderttausend Menschen haben sich ihr angeschlossen.
Das Ziel ist, die Passionszeit bewusst zu gestalten, eingschliffene Alltagsgewohnheiten zu überdenken und Solidarität mit denen zu zeigen, denen es nicht so gut geht.
Weitere Informationen dazu finden Sie auf den Seiten von: www.7-wochen-ohne.de
 
Die sieben Wochen vor Ostern sind die zweite lange Fastenzeit des Kirchenjahres.
 
 

Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag und mündet in die Feier der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag. Das Wort "kara" kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet: Trauer. Der Name der Karwoche beschreibt aber nur einen Aspekt ihres Charakters.
Diese Woche ist von großen Emotionen geprägt: Jubel über den Einzug in Jerusalem, Freude über die Einsetzung des Abendmahls und die Wiederaufnahme der Sünder in die Gemeinschaft der Gläubigen am Gründonnerstag,tiefer Trauer am Karfreitag über den Tod Jesu am Kreuz und stilles Verharren in dieser Trauer am Karsamstag. In vielen Ländern wird diese Zeit als „heilige Woche“ bezeichnet und mit Prozessionen begangen. 
 
Der Palmsonntag
"Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!" - mit diesen Worten umjubelten die Menschen den Einzug Jesu in Jerusalem, der auch der Beginn seiner Leidenszeit ist. Sie begrüßten ihn mit Palmenzweigen, während Jesus auf einem jungen Esel an ihnen vorbei in die Stadt ritt und sprach, wie es der Prophet Sacharja angekündigt hatte, um damit zu zeigen, dass dies nun erfüllt würde durch ihn: "Fürchte Dich nicht, du Tochter Zion! Siehe dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen."
Auch heute noch denken die Christen in den Palmsonntagsgottesdiensten an Jesu Einzug - und vielerorts tun sie dies auch mit Palmzweigen und Palmprozessionen.
 
Der Gründonnerstag
Der Gründonnerstag ist der Tag, an dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Mahl teilte. Es war die feierliche Mahlzeit am Vorabend des jüdischen Passafestes, das an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei durch Gott erinnert. Jesus gab dieser Erinnerung eine überraschende neue Dimension, indem er seine Lebenshingabe in den Horizont des göttlichen Befreiungswerkes stellte und seinen Jüngern den Auftrag gab, dieses Mahl immer wieder zu seinem Gedächtnis zu feiern.
Der Tag der Einsetzung des Abendmahls trägt verschiedene Namen: "Geburtstag des Kelchs", "Weißer" oder auch "Guter Donnerstag". Die Herkunft des Namens "Gründonnerstag" ist umstritten. Möglicherweise rührt er von dem Wort "greinen" her, was soviel bedeutet wie "weinen". Dieser Name weist darauf hin, dass an diesem Tag das Weinen der Sünder ein Ende hatte und sie wieder in die Gemeinde aufgenommen wurden. Andere Erklärungen sagen, dass das Essen grüner Kräuter diesem Tag seinen Namen gegeben hat – eine Verbindung zu den Speisetraditionen des jüdischen Passaabends.
Der Gottesdienst am Gründonnerstag wurde als Gedenktag der Gegenwart Jesu Christi und der Gemeinschaft mit ihm in der Feier des Abendmahls ursprünglich als Freudenfest gefeiert: als Vorgeschmack auf das ewige Leben in ungebrochener Gemeinschaft mit ihm. In der evangelischen Kirche ist dieser Freudencharakter des Abendmahls im Laufe der Jahrhunderte verdrängt worden vom Ernst des Gedenkens an die Lebenshingabe und den Tod Jesu. Dieser Ernst prägte selbst den Gründonnerstag, obwohl dort zum einzigen Mal in der Passionszeit die Jubelrufe "Gloria" und "Halleluja" gesungen werden und die weißen Paramente von der Freude künden. In vielen evangelischen Gemeinden wird heute am Abend des Gründonnerstags ein Abendmahlsgottesdienst in besonderer Form gefeiert, der an die Tischgemeinschaft Jesu erinnert.

Der Karfreitag
An diesem Tag gedenken die Christen des Kreuzestodes Jesu - und der Dunkelheit, die sich über die Menschen durch diesen Tod senkt.
Vielerorts wird als Zeichen dieser Trauer und der Hoffnungslosigkeit der Altar leergeräumt, die Orgel und die Glocken schweigen und das Kreuz wird mit einem schwarzen Tuch verhüllt. In manchen Gemeinden werden die Gottesdienste zur Todesstunde Jesu um 15.00 Uhr gefeiert und die Leidensgeschichte Jesu gelesen und/oder gesungen. An manchen Orten kommen die großen Passionsmusiken von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und anderen zur Aufführung.
Die Christen leben in einer Zeit, in der sie wissen, dass Ostern kam und Jesus auferstanden ist - und der Tod damit das letzte Wort verloren hat. Dennoch lässt der Karfreitags das Entsetzen über den Tod des Mannes, der der Heiland der Welt, der die Hoffnung für die Welt ist, jedes Jahr aufs Neue erleben.
Dieser Tag nimmt die Menschen mit hinein in die Verlassenheit und die Angst, die Jesus auf dem Weg zum und dann am Kreuz empfunden hat - und die er hinausschreit mit den Worten: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Markus 15,34) - und durch die er uns Menschen in unseren Verlassenheiten so nahe ist.
Der Karfreitag zeigt, wie schwarz die Welt ohne diesen Mann war - und in welche Hoffnungslosigkeit die Menschen ohne ihn stürzen müssten. Auch heute noch - wäre er nicht auferstanden.
Zum anderen erinnert der Karfreitag an die Sünden der Menschen, um derentwillen Christus gestorben ist - und mahnt damit die Christen, ihr Leben zu überdenken und neu auszurichten.
 
Der Karsamstag
Dieser Tag ist merkwürdig: Er ist kein Feiertag, die Geschäfte haben geöffnet, die Vorbereitungen auf die Osterfeiertage laufen. Und doch ist er ein einmaliger Tag im Jahresrythmus. Er erinnertdaran, dass in den Stunden zwischen dem Tod und der Auferstehung Jesu die Zukunft der Welt in Frage stand. Erst am Abend, wenn die Feiern zur Osternacht beginnen, kommt das Leben zurück.
 
Die Karwoche umfasst die Woche vor dem Osterfest. In ihr gedenken wir dem Leiden und Sterben Christi. In vielen Gemeinden werden in dieser Woche an den Abenden Passionsandachten gefeiert. Der Gründonnerstag erinnert an die Einsetzung des Abendmahls und der Karfreitag an die Kreuzigung Jesu und daran, dass Jesus den Kreuzestod für uns auf sich nahm, um uns von unseren Sünden zu erlösen.
 
 

Die Entstehung des Osterfestes
Die urchristliche Gemeinde feierte an jedem Sonntag des Jahres die Auferstehung ihres Herrn, also "Ostern". Bereits Anfang des
2. Jahrhunderts entwickelte sich darüber hinaus ein jährliches Osterfest, das weder einen festen Termin, noch einen festgelegten Ablauf hatte. Das Konzil von Nicäa legte 325 n. Chr. das Osterfest auf den 1. Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling fest. Daraus ergibt sich, dass Ostern frühestens am 22. März und spätestens am 25. April gefeiert werden kann.
 
Die Osternacht
In ihr ereignete sich das Wunder der Auferstehung Jesu. Als die Frauen morgens - so wie Lukas schreibt: sehr früh - zum Grab kamen, um den Leichnam Jesu zu salben, da fanden sie das Grab leer vor. Jesus war nicht mehr da, er war auferstanden.
Diese eine Nacht ist anders als alle anderen Nächte, in denen die Trauer ungehindert Einzug halten und Ängste ins Unermessliche wachsen können: Sie birgt das Wunder des Lebens. Sie bringt Jesus aus dem Tod ins Leben zurück. Und sein Kommen mehr als eine bloße Wiederkehr: Es ist der Sieg des Lebens über den Tod, der Sieg der Liebe Gottes über die Bosheit der Welt. Dieser Neuanfang macht jedem Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort einen Neuanfang möglich.
Die Feiern in der Osternacht, die in den evangelischen Gemeinden seit einigen Jahrzehnten zunehmend begangen werden, vollziehen den großen Weg von der Schöpfung der Welt durch die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel bis hin zum Leben, Sterben und Auferstehen Jesu. Sie beginnen in der dunklen Kirche, die nur erhellt wird vom Licht der Osterkerze und mit dem Fortschreiten der biblischen Botschaft stetig heller wird, bis der Ruf: "Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!" - die Kirche erfüllt und neues Licht die Kirche ausfüllt. Die Weitergabe des Osterlichts an jede und jeden zeugt von der Hoffnung, die die Auferstehung Jesu für alle Menschen eröffnet. Oft werden - wie in der Zeit der frühen Christenheit - in der Osternacht Jugendliche oder Erwachsene getauft. Tauferinnerung und Abendmahl gehören zum festen Bestand der Feier.
Das gemeinsame Abendmahl ist Zeichen der Gemeinschaft, die die Christen mit dem Auferstandenen haben und zugleich Freudenmahl für das Leben.
In der alten Kirche war die Osternacht einer der zwei jährlichen Gottesdienste, in der die Taufanwärter nach der vorbereitenden Fastenzeit getauft wurden. Heute gehören zumindest Tauferinnerungsfeiern zum festen Bestandteil der Osternachtfeier vieler Gemeinden.
 
Ostersonntag und Ostermontag
"Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!"
Mit diesem Osterruf beginnen die Gottesdienste am Ostersonntag. Er fasst die Botschaft dieses Festes zusammen: Jesus ist auferstanden und in den Tagen danach vielen Menschen begegnet: den Frauen am Grab, den trauernden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, Petrus am See Genezareth, dem zweifelnden Thomas in Jerusalem und vielen anderen, die nicht namentlich bekannt sind. Ihr Zeugnis von der Auferstehung Jesu ist Grundlage des christlichen Glaubens. Seine Auferstehung eröffnet allen, die ihm vertrauen, ein Leben in Freiheit von Angst und Schuld und eine Hoffnung über den Tod hinaus.
Viele Gemeinden bringen diese Hoffnung am frühen Morgen in einer Auferstehungsfeier auf dem Friedhof zum Ausdruck. Wo übers Jahr Menschen an den Gräbern geweint haben, mischen sich jetzt die Osterchoräle der Posaunenchöre und die Osterlieder der Gemeinde mit den Vogelstimmen des Frühlingsmorgens.
Alle Gottesdienste der Ostertage sind festlich. Glocken und Orgel, die in der Karwoche geschwiegen haben, erklingen wieder, ebenso die festlichen Liedrufe Gloria und Halleluja, die während der ganzen Passionszeit nicht zu hören waren. Posaunenchöre und Kantoreien musizieren in vielen Gottesdiensten. Altar und Kanzel tragen weiße Antependien, PfarrerInnen und Pfarrer gelegentlich weiße Stolen.
Am Ostersonntag oder Ostermontag finden in vielen Gemeinden Familiengottesdienste statt, oft verbunden mit einem Osterfrühstück.
 
Der Grund des christlichen Glaubens
Jesu Auferstehung ist der Grund des christlichen Glaubens. Wäre er nicht auferstanden, dann gäbe es keinen Grund zu glauben. Dann wäre sein Tod das Ende eines großen und einmaligen Menschen gewesen. Seine Auferstehung macht ihn einmal mehr zu Gottes Sohn und zeigt, dass durch ihn das Leben und der Glaube an Gott, wie Jesus ihn verkündigt und gelebt hat, eine Hoffnung über den Tod hinaus bringt.
Paulus bringt das in seinem 1. Brief an die Korinther auf den Punkt: "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich." ... "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden." ... "Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind." (1. Korinther 15, 14,17+20)
 
Der Ostertermin ist variabel. Am Ostersonntag feiern wir die Auferstehung von Jesus Christus, den Sieg des Lebens über den Tod.
 
 

Die Osterzeit umfasst die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten - dem Fest der Auferstehung Jesu bis zum Geburtstag der Kirche. Sie ist gekennzeichnet von der Freude über seine Auferstehung, seinen Begegnungen mit den Jüngern, seiner Gegenwart und seiner Himmelfahrt.
Das Neue Testament berichtet, dass Jesus nach seiner Auferstehung 40 Tage lang bei seinen Jüngern gelebt und ihnen in dieser Zeit weiterhin das Reich Gottes gepredigt hatte, bevor er vor ihren Augen von einer Wolke in den Himmel aufgehoben wurde (Lukas 24,50-53
Seine Jünger wollten zuvor von ihm wissen, ob er denn nun, nach seiner Auferstehung, in Israel das erhoffte Reich errichten würde. Er antwortete ihnen, dass es nicht ihre Aufgabe sei, das zu wissen, sondern ihr Auftrag darin bestehe, Zeugen des auferstandenen Christus zu sein - und zwar auf der ganzen Welt. Da sie dies aber nicht allein können, verspricht er ihnen den Heiligen Geist
(s. Pfingsten), der sie für diese Aufgabe befähigen wird. Das sind seine letzten Worte an die Jünger, bevor er in der Wolke entschwindet (Apostelgeschichte 1,1-14).
Anders jedoch als durch seinen Tod, durch den Jesus tatsächlich fern der Menschen und der Welt war, symbolisiert seine Himmelfahrt keineswegs seine Abwesenheit von der Welt und ihren Problemen, sondern ganz im Gegenteil seine große Nähe, die er ja auch den Jüngern durch den Heiligen Geist verspricht.
 
Für Christen symbolisiert die Himmelfahrt Jesu also nicht seine Abwesenheit, sondern seine Herrschaft über die ganze Welt. Die Himmelfahrt Jesu ist keine Reise zu einem entlegenen Ort im All, sondern das Ende seines Lebens als Mensch unter den Menschen. Er sitzt nun zur Rechten Gottes, wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt.
Am Himmelfahrtstag finden in vielen Gemeinden Gottesdienste „im Grünen“ statt.
Die Osterzeit umfasst die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten. Der Fokus in dieser Zeit liegt auf dem auferstandenen Christus.
Der Himmelfahrtstag wird 40 Tage nach Ostern gefeiert. An ihm gedenken wir der Himmelfahrt, der Rückkehr Jesu zu seinem Vater.
 
 

Das dritte Hauptfest des Kirchenjahres
Pfingsten wird als das "Fest des Heiligen Geistes" bezeichnet und ist nach Weihnachten und Ostern das dritte Hauptfest des Kirchenjahres. 
Der Name geht auf das griechische Wort "pentekoste" (fünfzig) zurück, weil das Pfingstfest seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts fünfzig Tage nach Ostern gefeiert wird. Mit dem Pfingstfest endet die österliche Festzeit.
In Erinnerung an die in der Apostelgeschichte geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes, die zur Gründung der ersten christlichen Gemeinde führte  (Apg 2,1-1-3), wird Pfingsten auch als „Geburtstag“ der Kirche und Beginn der weltweiten Mission verstanden.
 
Eine neue Gemeinschaft der Jünger
Die biblischen Berichte schildern nach Jesu Tod am Kreuz, der Auferstehung Christi und Himmelfahrt eine neue Gemeinschaft der Jünger: "Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen", heißt es in der Apostelgeschichte (Apg 2,4). Auf die Pfingsterzählung des Neuen Testaments dürfte auch die Redewendung "Feuer und Flamme sein" für "begeistert sein" zurückgehen: Bei dem Treffen der Jünger "sah man etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder", heißt es dort.
 
Die Ausgießung des Heiligen Geistes wurde früher in einigen Gottesdiensten an Pfingsten durch das Herablassen einer hölzernen Taube von der Decke in der Kirche dargestellt.
 
 
Mutlos waren sie. Voller Trauer, Angst und Zorn. Dann passierte etwas Seltsames. Plötzlich waren sie wie verwandelt. Das erste Pfingsten erlebten ein paar Menschen in Jerusalem. Männer und Frauen, die mit Jesus durchs Land gezogen waren. Ohne ihn waren sie nur ein verlorener Haufen. Sie wollten ja glauben, dass er auferstanden sei, dass er lebt. Aber das war damals auch nicht einfacher als heute.
 
So war der Zweifel stark und der Glaube klein. Und dann geschah etwas Unerklärliches, so erzählt es die Apostelgeschichte. Der Geist Gottes, sonst unsichtbar wie Gott selbst, zeigte sich für einen Moment. Durch Feuerflammen auf den Köpfen der Jesusfreunde. Durch ein Wunder der Verständigung in allen Weltsprachen. Fremde und Einheimische hörten das Evangelium in ihrer Muttersprache. Und waren begeistert. Oder verstört. Manchmal schließt sich das nicht aus.
Prompt fragten die Zuschauer: Was ist hier los? Sind die besoffen? Wahrscheinlich haben sich viele die Sache so erklärt. Das passte ins bisherige Weltbild. Macht es Sinn, etwas erklären zu wollen, das sich dem Verstand entzieht? Von einem Medikament sagen wir: Hauptsache, es wirkt. Wer heilt, hat recht. Die Wirkungen des Heiligen Geistes waren mehr als stark, damals in Jerusalem. Aus den mutlosen Männern und Frauen wurde eine Gemeinschaft. Sie teilten ihre Hoffnung, ihren Glauben, ihr Leben, ihr Geld.
 
So wurde das Pfingsterlebnis die Geburtsstunde der Kirche. Die Folgewirkung ist das Netz der christlichen Gemeinden und Kirchen, das sich heute über den ganzen Erdball zieht. Pfingsten feiern wir, was Gottes Geist bewirken kann. Heute wie damals kann Unvorhergesehenes geschehen. Es ist ein Risiko, wenn wir um diese Kraft Gottes bitten. Denn es kann heißen, dass wir unser Denken ändern müssen und unser Handeln. Doch wie erkennen wir, ob es Gottes Geist ist, der einen Menschen erfüllt? Die Bibel nennt Kennzeichen, beschreibt Wirkungen und Nebenwirkungen.
 
Gottes Geist befreit und engt nicht ein. Gottes Geist hält sich nicht an Grenzen zwischen Menschen, Gruppen, Kulturen oder Nationen. Er ist international tätig. Er weht, wo er will. Er hat etwas Anarchistisches, weil er keine Hierarchien akzeptiert, keine Mauern, keine Schlagbäume, keine Durchführungsbestimmungen. Er ist in den Schwachen mächtig. Er macht Ängstliche ruhig, Engstirnige weitsichtig und bringt bisher Gleichgültige zu leidenschaftlichem Engagement.
Gottes Geist sucht die Verständigung. Er ist ein Friedensstifter. Er überwindet Sprachgrenzen, Vorurteile und Mauern in den Köpfen. Wo Menschen ihre Konflikte ohne Gewalt lösen, dort ist Gottes Geist am Wirken. Wo Menschen anfangen, einander mit anderen Augen zu sehen, ist Gottes Geist im Spiel. Gottes Geist zeigt sich am deutlichsten in Jesus Christus. An seinem Leben und seinen Worten erkennen wir die Nebenwirkungen und Risiken des Heiligen Geistes.
 
Er hilft uns, zu Menschen zu werden, die erfüllt sind von der Liebe zum Leben, zu Gott und den Nächsten. Zu Menschen, die nicht den bequemsten Weg gehen, sondern sich für das Leben einsetzen. Deshalb bitten wir, nicht nur an Pfingsten: Komm, heiliger Geist!
 
(Karen Hinrichs, von 2004 -20019 Oberkirchenrätin und Leiterin des Referates "Grundsatzplanung und Öffentlichkeitsarbeit" der Evangelischen Landeskirche in Baden)
 
 
Das Pfingstfest (Ausgießung des Heiligen Geistes) feiern Christen 50 Tage nach Ostern. Es ist gleichzeitg die Geburtsstunde der Kirche.
 
 

Das Trinitatisfest ist keinem Ereignis der Geschichte Gottes mit den Menschen zuzuordnen (wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten), sondern erhielt seine Bedeutung und seinen Namen von einem theologischen Anliegen. Das Wort Trinitatis ist lateinisch und bedeutet „Dreiheit“. Trinitatis ist das Fest des dreieinigen Gottes, der sich nach den biblischen Erzählungen den Menschen als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist offenbart hat. An Trinitatis feiern Christen die Einheit Gottes in seinen unterschiedlichen Werken: dem Schöpfungswerk des Vaters, dem Versöhnungswerk des Sohnes und dem Vollendungswerk des Heiligen Geistes.
 
Dieser Festtag stellt das Glaubensbekenntnis an den dreieinigen Gott in den Mittelpunkt. Meist wird an diesem Tag anstelle des üblichen "apostolischen" Glaubensbekenntnisses eines der beiden weniger bekannten, das "nicänische" oder das "athanasianische" Glaubensbekenntnis gesprochen. Beide gehören neben dem apostolischen zu den ältesten Bekenntnissen der Kirche.

Das Trinitatisfest liegt am Sonntag nach Pfingsten und eröffnet die längste Zeit im Kirchenjahr, die festlose Trinitatiszeit: Bis zu 24 Sonntage werden dazu gezählt; die genaue Anzahl ist abhängig vom Ostertermin. Sie haben jeweils einen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt. Ihnen folgen die drei letzten Sonntage im Kirchenjahr.
 
Der Sonntag nach Pfingsten ist das Trinitatisfest (Fest der Heiligen Dreieinigkeit).
 
 

Matthias Claudius fasst in seinem Lied "Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land" (Evangelisches Gesangbuch, 508) zusammen, was Christen an diesem Sonntag feiern. Am Erntedanktag blicken sie auf die Ernte des Jahres zurück und danken Gott, dass er der Arbeit ihrer Hände Segen und Gedeihen geschenkt hat.
Erntedankfeste gab es bereits in der Antike und in anderen Religionen. Im europäischen Mittelalters etablierten sich in den Gottesdiensten zum Ende der Erntezeit Predigten mit einem ausdrücklichen Dankcharakter - für reiche Ernten. Allerdings entwickelten sich ebenso Bußgottesdienste in Jahren, in denen die Ernte sehr mager ausgefallen ist.
1773 erließ der preußische König Friedrich II. einen Erlass, in dem der Erntedanktag als offizielles Fest eingeführt und auf den 1. Sonntag nach Michaeli (29.09) festgelegt wurde. Im 21. Jahrhundert haben sich die katholische und die evangelischen Kirchen in Deutschland auf den ersten Sonntag im Oktober als Datum für den Erntedanktag verständigt. Es gibt Gemeinden, die ihren Erntedanktag auch früher oder später feiern - je nach den örtlichen Erntegegebenheiten; so wird in manchen Weinbauorten das Fest erst im November begangen.
 
Erntedank - ein Tag zum Innehalten und Danken
Viele evangelische Kirchen erstrahlen an diesem Tag im bunten Schmuck von der Pracht der Gärten und Felder: Korngarben, Weintrauben, Obst in Hülle und Fülle, Brote, Säfte... werden im Altarraum aufgestellt. Diese zeigen Gottes Güte, der die Menschen mit so Vielem beschenkt - und regen die Menschen zum Danken an. Der Dank bezieht sich in den Gottesdiensten des Erntedanktages nicht nur auf das "tägliche Brot", sondern auf alles, womit Gott unser Leben reich macht: den Arbeitsplatz, die Menschen um uns herum, kleine und große Erfolge und geschenktes Glück.
Er übt ein in eine Haltung der Dankbarkeit und des Respekts auch gegenüber den Menschen, die mit ihrer Arbeit zu unserem Leben beitragen. Mit der Kollekte, die an diesem Sonntag für die Hungernden in der Welt bestimmt ist, übt der Erntedanktag auch ein in eine Haltung der Solidarität und des Teilens.
Der Erntedanktag kann so zu einem Tag werden, an dem der Mensch innehält und ein besonderes Augenmerk auf das legen kann, was ihm - einfach so und ohne eigenen Verdienst - geschenkt wird: von anderen Menschen und von Gott; und sich Zeit nehmen kann, diesem Tag Ausdruck zu verleihen: durch ein Gebet, durch ein Loblied, durch einen Brief...
Die Kollekte an diesem Sonntag ist bestimmt für die Hungernden in der Welt.
 
Am Sonntag nach Michaelis (29.09.) feiern wir das Erntedankfest.
 
 

Das Reformationsfest feiern evangelischen Christinnen und Christen am 31. Oktober. Sie gedenken darin der Ereignisse, die zur Gründung der evangelischen Kirche geführt haben, obwohl sie eigentlich auf eine Reform der ganzen Kirche zielten.
 
"Am  Vorabend des Allerheiligenfestes im Jahre des Herren 1517 sind von Doktor Martin Luther Thesen über den Ablass an die Türen der  Wittenberger Kirchen angeschlagen worden" - so berichten es knapp 30 Jahre danach der Sekretär Luthers, Georg Rörer, und weitere zwei Jahre später, 1546, kein geringerer als Philipp Melanchthon. (Näheres bei Luther2017.de)
In Luthers Thesen ging es unter anderem um den Ablasshandel der Kirche. Die Kirche versprach, dass durch einen gekauften Ablassbrief die Sünden des Käufers vergeben werden. Man konnte einen solchen Ablass auch für einen Verstorbenen erwerben, so dass dieser selbst lange nach seinem Tod mit Vergebung seiner Sünden rechnen konnte. Das versprach jedenfalls die Kirche...
Viele verstanden nur wenig von dem, was in der Kirche gesprochen wurde, denn die Gottesdienste wurden Lateinisch gehalten, was nur die Gelehrten verstanden. Selbst wer lesen konnte, konnte die Bibel nicht lesen, denn von ein paar Ausnahmen abgesehen gab es flächendeckend fast nur lateinische Übersetzungen. So waren die meisten Menschen den Ablasspredigten der Priester und Mönche ausgeliefert, die auf den Straßen und Plätzen die Angst vor dem Fegefeuer und den Höllenstrafen schürten und damit den Ablasshandel förderten.
Martin Luther hatte viele Jahre seines Lebens damit zugebracht, Gott gnädig zu stimmen - durch ein Leben als Mönch und durch gute Werke. Irgendwann hatte er erkannt, dass menschliches Verhalten, und sei es noch so edel und gut, Gott nicht gnädig stimmen würde. Nicht etwa, weil Gott nicht gnädig sein möchte, sondern weil er es schon lange ist. Gott schaut die Menschen liebevoll an. Der Tod Jesu am Kreuz, an dem der Gottessohn für die Schuld der ganzen Welt starb, hat es den Menschen abgenommen, ihr Seelenheil verdienen zu müssen. Darauf können Menschen sich verlassen und sich in allem, was sie bewegt - vertrauensvoll oder auch zweifelnd - an Gott wenden.
Mit dieser Überzeugung wandte sich Luther gegen den Ablasshandel der Kirche, der in seiner Zeit eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen war, aber oftmals aus den Mitteln sehr armer Menschen gespeist wurde.
 
Diskussionsgrundlage, nicht "Spaltwerkzeug"
Der Thesenanschlag war als Diskussionsgrundlage gedacht, um über die Missstände in der Kirche ins Gespräch zu kommen und sie zu beheben, nicht um die Kirche zu spalten. Zu konstruktiven Gesprächen kam es aber nicht. Stattdessen wurde Luther mit dem Bann belegt und einige Jahre später, 1521, zum Reichstag nach Worms geladen. Dort wurde er zu seinen Schriften befragt und von Kaiser Karl V. zum Widerruf aufgefordert. Doch Luther konnte seine innersten Überzeugungen und seinen Glauben an einen gnädigen Gott nicht verleugnen - und daher auch nicht widerrufen. Der Reichstag beschloss daraufhin, Luther mit der Reichsacht zu belegen.
 
Unter den Landesfürsten befanden sich aber Befürworter von Luthers "evangelischer" Lehre. Einer von ihnen, Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, ließ Luther heimlich auf die Wartburg "entführen". Dort versteckt, übersetzte Luther das Neue Testament in die deutsche Sprache, um den Menschen zu ermöglichen, selber in der Bibel zu lesen, sie zu verstehen und im Vertrauen auf die Gnade Gottes zu leben.
Der Reformationstag symbolisiert die Entstehung der evangelischen Konfession. Der Reformator Martin Luther hatte am 31. Oktober, einen Tag vor Allerheiligen, im Jahr 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht.
 
 

Eine kurze Geschichte des Buß- und Bettages
Der Buß- und Bettag hat eine lange und wechselvolle Geschichte erlebt. Er bezieht sich nicht auf biblisch-heilsgeschichtliches Ereignis, wie z.B. der Karfreitag oder die Weihnacht, sondern ist ein von der staatlichen Obrigkeit verordneter Tag der Buße. Im römischen Reich war es Sitte, in Notzeiten einen Tag des Gebets und der Buße auszurufen. Diese Sitte fand unter dem Einfluss des römischen Rechts Eingang in die christliche Kirche.
Die Kirche des Mittelalters hielt zum Beginn jeder Jahreszeit sogenannte Quatembertage ab. Diese Tage dienten der Buße und dem Fasten. Daneben entstanden weitere Bußtage, deren Ziel war, Gott in Zeiten der Bedrängnis, des Krieges, des Hungers und anderer Not, gnädig zu stimmen und die Geschicke des Volkes zum Guten zu wenden. So wurden solche Bußtage immer wieder bei "Bedarf" von den Staatsoberhäuptern angeordnet.
Im Jahre 1532 wurde der erste "Buß- und Bettag" der evangelischen Kirche in Straßburg gehalten. Anlass war die Angst, die durch die Türkenkriege ausgelöst worden war.
Die Anzahl der Bußtage stieg in den folgenden Jahrhunderten stark an, da jedes Kirchengebiet seine eigenen Bußtage einrichtete. So gab es im Jahr 1878 in 28 deutschen Ländern 47 verschiedene Buß- und Bettage an 24 Tagen.
Mitte des 19. Jahrhunderts gab es, ausgehend von der Eisenacher Konferenz, die Bestrebung, einen einheitlichen Bußtag einzurichten: und zwar am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Doch erst im Jahr 1934 setzte sich dieser Termin in Deutschland durch; wurde während des zweiten Weltkriegs allerdings auf einen Sonntag verlegt.
Nach dem Krieg erhielt der Bußtag seinen Platz am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag wieder zurück. Im Osten Deutschlands wurde er im Jahr 1966 abgeschafft. Nach der Wiedervereinigung wurde der Tag 1990 in allen Bundesländern wieder begangen.
1994 beschloss die Bundesregierung, den Buß- und Bettag zugunsten der Mitfinanzierung der Pflegeversicherung ab 1995 als offiziellen Feiertag abzuschaffen. Nur in Sachsen ist dieser Tag auch heute noch arbeitsfrei.
Nichtsdestoweniger feiern die evangelischen Christen an diesem Tag einen Bußgottesdienst; zunehmend werden diese Gottesdienste auch ökumenisch begangen.
 
Was uns dieser Tag heute bedeuten kann
Auch wenn dieser Tag kein offizieller Feiertag mehr ist, können Christen ihn dennoch nutzen, um sich auf ihre Verantwortung sich selbst, der Welt und Gott gegenüber zu besinnen. Die Beschäftigung mit dieser Frage kann zu der Erkenntnis führen, wo Verhalten nicht richtig ist - und wo eine Veränderung der Haltung, des Redens und des Handels gut täte und richtig wäre. Dieser Tag soll kein Verharren im Erschrecken über die eigenen "Abgründe" bewirken, sondern Mut zu einem neuen Aufbruch machen. Das wird möglich dadurch, dass Gott dem Sünder vergibt und immer wieder einen neuen Anfang schenkt.
Dieser neue Aufbruch gilt für das Leben im persönlichen Bereich ebenso, wie im Blick auf den Auftrag, den jede und jeder einzelne auch in der Verantwortung für die Gesellschaft und diese Welt hat. Neben dem Fingerzeig, der auf die herrschenden Missstände und Ungerechtigkeiten gelegt werden kann, dürfen Christen an diesem Tag auch besonders auf Gottes Gebote und seine Gnade weisen.
So kann der Buß- und Bettag in jedem Jahr neu zu einem Tag werden, an dem sich die Haltung verändert.
 
Der Buß- und Bettag ist Aufruf zur Um- und Einkehr.
 
 

"Macht Euch bereit zu der Hochzeit...
               ... ihr müsset ihm entgegengehn!" 
- so dichtete Philipp Nicolai 1599 im wohl bekanntesten Lied zum Ewigkeitssonntag (EG 147). Dieser evangelische Feiertag schließt die drei letzten Sonntage des Kirchenjahres ab, die sich mit den "letzten Dingen": Tod, Gericht und Ewiges Leben beschäftigen.

Zur Geschichte des "Ewigkeitssonntags"
Hervorgegangen ist dieser Tag aus Luthers Ablehnung des Allerseelentages, an dem für die Verstorbenen in verschiedenen Gottesdiensten gebetet wurde. Luther lehnte dabei nicht das Gebet für die Toten oder ein liebevolles Gedenken an sie ab, sondern seine Kritik richtete sich gegen den Gedanken, dass allein die Feier eines solchen Allerseelengottesdienstes den Toten heilsbringend zugute kommen sollte.
Bereits 1556 findet der "Ewigkeitssonntag", allerdings unter der Bezeichnung "Fest des jüngsten Tages" Einzug in der Waldecker Kirchenordnung.
Im 17. Jahrhundert hatten die Bestattungen in den Städten einen solch großen Raum eingenommen, dass sie daraufhin aus dem öffentlichen Leben verbannt wurden - und eine Beerdigungspraxis ohne einen gottesdienstlichen Charakter von Predigt und Gebet Einzug hielt.
Auf Dauer zeigte sich aber, dass damit dem Menschen und seinem Bedürfnis nach Trauer, einem würdigen Abschiednehmen und nach Trost nicht Genüge getan wurde.
So ordnete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im Jahr 1816 an, den letzten Sonntag des Kirchenjahres als "allgemeines Fest zur Erinnerung an die Verstorbenen" zu feiern. Die anderen Landeskirchen schlossen sich diesem Erlass an. Schnell bürgerte sich der Name "Totensonntag" ein.
In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Name "Totensonntag" von den Evangelischen Kirchen umbenannt in  "Ewigkeitssonntag".

"Ewigkeitssonntag" oder "Totensonntag"?
Mit der Namensänderung verband sich die Hoffnung, dass sich der Blick der Menschen nicht allein auf den Tod und das Ende des irdischen Lebens richtet, sondern darüber hinaus auf Christus, der den Tod überwunden hat und das Ewige Leben schenkt. So bedeutet der Tod zwar auch im Glauben der Christinnen und Christen eine schmerzliche Trennung, er gilt aber als Übergang zu einem neuen Leben in der Ewigkeit, wo Christus sie erwartet.
So erinnert der Ewigkeitssonntag an die Menschen, die wir an den Tod verloren haben - und deutet gleichzeitig auf Jesus Christus.
Im biblischen Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1-13) wird der Tag der hereinbrechenden Ewigkeit als Hochzeitstag und Christus als Bräutigam beschrieben, der seine Gäste erwartet. Dieses Bild greift Philipp Nicolai mit seinem Lied auf: "Macht euch bereit zu der Hochzeit! Ihr müsset ihm entgegen gehn." - Ein schönes Bild, um zu verdeutlichen, was christliche Hoffnung nach dem Tod ist : ein Leben aus und in Liebe.
Für die Menschen, die einen nahestehenden Menschen hergeben müssen und deren Leben zunächst in Trauer und Dunkelheit versinkt, kann diese Vorstellung vielleicht nach und nach zu einem Trost werden.
In vielen Gemeinden werden die Angehörigen der Verstorbenen des letzten Jahres eingeladen und ihrer im Gottesdienst besonders gedacht. Viele Menschen schmücken an diesen Tag die Gräber und lassen ihre Gedanken zu schönen und gemeinsamen Erlebnissen wandern.
 
Im letzten Monat des Kirchenjahres, im November, konzentrieren evangelische Christen sich auf Trauer und auf Buße: der Ewigkeitssonntag schließt das Kirchenjahr ab.
 
 

Der Sonntag als Ruhetag

Der christliche Sonntag als Tag der Auferweckung Jesu Christi ist im christlichen Kulturraum zugleich der wöchentliche Ruhetag, der die Traditionen des jüdischen „Sabbat“ in sich aufnimmt. „Denn in sechs Tagen hat Gott Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete Gott den Sabbattag und heiligte ihn.“ (Ex 20, 11)Wie Gottes Schöpfungswerk sieben Tage umfasst und sich in der Ruhe des siebten Tages vollendet, so gibt es auch heute sieben gute Gründe, den Sonntag als „Ruhetag“ zu bewahren:
 
 

nach Impulsen der EKD-Initiative „Gott sei Dank, es ist Sonntag“
  1. Der Wechsel von Arbeitstagen und Ruhetag gibt dem Leben seinen Rhythmus.
    „Ohne Rhythmus wäre das Leben Chaos, ohne regelmäßig wiederkehrende Abläufe würde der Mensch krank.“ (EKD-Initiative, Argument 2). Denn, so weiß es besonders die Weisheit Israels: „ein Jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“. (Kohelet 3, 1)
  2. Der Sonntag unterscheidet den Feiertag vom Alltag.
    „Menschen leben nicht nur von der Arbeit. Sie brauchen auch Zeit zum Feiern.“ (EKD-Initiative, Argument 3). „So geh hin und iss Dein Brot mit Freuden, trink Deinen Wein mit gutem Mut", heisst es wieder beim Weisen Kohelet (9, 7). Und entsprechend hat Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern immer wieder gegessen und getrunken, und nach Johannes zu Beginn seiner Wirksamkeit sogar Wasser in Wein verwandelt. (Johannes 2, 1-11)Der Sonntag erinnert daran, dass das Leben eben nicht nur „Mühe und Arbeit“ ist, und lädt zur Lebensfreude und Lebensvertiefung ein.

  3. Der Sonntag ist ein grundlegend sozialer Tag.
    „In Zeiten zunehmender Arbeitsbelastung und flexibler Arbeitszeiten gewinnt der Sonntag als gemeinsam begangener Tag … an Bedeutung.“ (EKD-Initiative, Argument 8). Er ist der Tag der Familien, aber auch der kinderlosen Paare und der Liebenden überhaupt. Er hilft, Freundschaften zu pflegen und gibt der Geselligkeit geschützten Raum. Denn: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei“ (Gen 2, 18) und darum gibt der Sonntag allen Menschen einer Gemeinschaft gemeinsam die Möglichkeit, ihr Miteinander zu pflegen.
  4. Der Sonntag setzt eine Grenze gegen die alles ergreifende Ökonomisierung des modernen Lebens und der globalen Welt.
    „Maschinen brauchen keine Erholungspausen, sie laufen rund um die Uhr.“ (EKD-Initiative, Argument 6). Gerade, weil er sich gegen manche vordergründige wirtschaftliche Interessen sperrt, bewahrt der Sonntag den Menschen vor Entfremdung und schützt damit auch seine Arbeitskraft.
    Entsprechend heißt es in den Leitsätzen unserer Landeskirche: „Wir wollen eine menschliche Gesellschaft gestalten, die von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde geprägt ist“, und „Wir wollen nicht alles machen, was machbar ist“. Für beides ist der Sonntag ein besonderes Symbol.
  5. Der Sonntag ist ein Tag der Erinnerung.
    „Am Sonntag gedenken Christinnen und Christen der Grundlagen ihres Glaubens: In der Tradition des Alten Testamentes an den Auszug Israels aus Ägypten (5. Mose 5,15), vor neutestamentlichem Hintergrund an die Auferstehung Jesu Christi.“ (EKD-Initiative, Argument 4).
    Das geschieht rituell in der Versammlung der Glaubenden zum Gottesdienst: im gefeierten und gepredigten Gedenken wird das erinnerte Heilshandeln Gottes zur Kraft für die Gegenwart. Solche Erinnerung hat heilende Kraft, wie es auch in den Psalmen formuliert ist: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat..." (Psalm 103, 2ff.)

  6. Indem er solchermaßen erinnert, bewahrt der Sonntag zugleich das Gespür für die Dimension des Heiligen in einer profanen Welt.
    Nicht nur Ruhe ist der Sinn des siebten Tages, sondern „Heiligung“ und Segnung: „Darum segnete Gott den Sabbattag und heiligte ihn“ (Ex 20, 11). Darum: „Gedenke des Sabbattages, dass Du ihn heiligest“ (Ex 20, 8). Wenn der Mensch nichts Heiliges mehr achtet, verkümmert seine innere Antenne und sein Leben wird oberflächlich. Der Sonntag ruft dagegen in die Tiefe. Er hilft dem Menschen, seine inneren Antennen neu auszurichten, und das „Staunen“ und die „Ehrfurcht vor dem Leben“ nicht zu verlernen. Solchermaßen sein Leben immer neu zu vertiefen ist der Sinn der „Heiligung“ des Sabbattages bzw. des christlichen Sonntags.

  7. In all diesen Dimensionen stärkt der Sonntag den ganzen Menschen und strahlt aus in die ganze Gesellschaft.
    „Ob Gottesdienst, Wanderung, Spielenachmittag oder Zeit für Lektüre und Gespräch - … Der Sonntag ist eine lebensnotwendige Atempause für uns Menschen.“ (EKD-Initiative, Argument 9).
    So bietet der Sonntag „Gelegenheit zur Besinnung auf das, was zählt“ (EKD-Initiative, Argument 7). Er ist Freiraum für alle Menschen, in gewissem Sinne sogar Schutzraum für alle belebte Kreatur. „Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, Deines Gottes. Da sollst Du keine Arbeit tun, auch nicht Dein Sohn, Deine Tochter, Dein Knecht, Deine Magd, Dein Vieh, auch nicht Dein Fremdling, der in Deiner Stadt lebt“ (Ex 20, 10). So nimmt der Sonntag die eschatologische Zukunft vorweg und verbürgt eine soziale Utopie, die heute schon antizipiert werden kann: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter“ (Jesaja 11, 6-8).
Text formuliert von Herrn Pfarrer Stefan Schütze, Karlsruhe, nach Impulsen der EKD-Initiative „Gott sei Dank, es ist Sonntag“