Wir befinden uns etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Das Hanauerland ist evangelisch, Renchen, knapp 20 km östlich, Richtung Schwarzwald gelegen, ist streng katholisch. Als die ersten Evangelischen nach Renchen kommen, sind sie nicht sonderlich willkommen. In der Schule werden die Kinder gehänselt und verspottet, in den Mischehen ergeben sich häufig Schwierigkeiten, weil sich die katholischen Verwandten einmischen.
Im Januar 1861 wird der Pfarrer von Bühl verpflichtet, in Renchen Gottesdienste zu halten. Da es jedoch weder Kirche noch einen Raum gab, musste erst einmal ein geeigneter Raum gefunden werden. Ein Jahr später konnte im 2. Stockwerk eines Hauses an der Hauptstraße ein Raum angemietet werden. Doch bereits 1866 musste sich die Gemeinde auf eine neue Suche begeben, da der Eigentümer Eigenbedarf anmeldete.

Damit war die Evangelische Gemeinde nicht einverstanden und suchte weiter. Noch im selben Jahr wurden sie fündig. Das heutige Gelände wurde für 370 fl. erworben. Die politische Gemeinde schenkte zu diesem Kauf 200 fl. Schon am 10. April 1871 erfolgte die Ausschreibung der Bauarbeiten. Geplant war eine Kapelle mit 91 Sitzplätzen. Das Dach der kleinen Kirche wurde so geplant, dass später ein Glockentürmchen aufgesetzt werden konnte. Gerade eben ist das Deutsche Kaiserreich zwei Jahre alt, da

Der katholische Pfarrer verlegte seine Messfeier auf eine Stunde früher, damit die Katholiken an der Einweihung des evangelischen Bethauses teilnehmen konnten. Im eigentlichen Renchen leben zu diesem Zeitpunkt etwa 2100 Menschen. Davon sind 84 evangelisch, also gerade mal 4 % der gesamten Bevölkerung.
Im Sept.1873 war auch der Glockenstuhl fertig, und der Großherzog von Baden stellte drei Zentner Metall (Kanonenguss) für die zu gießende Glocke zur Verfügung. Die Gemeinde hatte jetzt eine eigene Kirche mit Glockentürmchen, aber es handelte sich dabei nur um eine „Sommerkirche“, denn sie hatte keine Heizung. In der Zeit von Herbst 1887 bis 1904 wurden nacheinander 4 Öfen angeschafft, um die Kirche im Winter zu heizen.
1907 wurde das schadhafte Dachreitertürmchen abgerissen und durch einen neuen Turm über dem Giebel der Kirche ersetzt. Nach einem Platzregen im Sommer 1907 war das Dach so undicht, dass das Regenwasser über Fenster und Wände herunter lief. In den Jahren 1913/14 wurde ein neuer stärkerer Fußboden in der Kirche verlegt. Zwei Jahre später folgte die Verschalung des Kirchenschiffs. Dank der Hilfe des Gustav-Adolf-Werkes konnten diese Kosten abgedeckt werden.

Erst nach dem Ersten Weltkrieg, im März 1919, konnte das neben der Kirche gelegene Wohnhaus käuflich erworben und als Pfarrhaus eingerichtet werden. Schon im Sommer 1921 mussten die Balken des 1907 errichteten Turmes erneuert werden, und 1927 erfolgte dann die Installation der lang ersehnten elektrischen Beleuchtung. Bereits 1929 befand sich die Kirche "nach allgemeiner Auffassung seit 20 Jahren in einem unwürdigen Zustand".

Der obere Turmteil wurde entfernt und in seine heutige Gestalt gebracht. Eine neue Kanzel und ein neuer Altar wurden eingebaut. Die Neugestaltung des Innenraumes wurde von Bildhauer Furtwängler in Freiburg vorgenommen. In diesem Zusammenhang bekam die Kirche eine sog. Luftheizung. Bereits 1954 meldeten sich die alten baulichen Probleme wieder: Das undichte Kirchendach und die Kirchenheizung. Man suchte daher Hilfe beim Bauamt des Evangelischen Oberkirchenrates in Karlsruhe. Und so kam es zu einem Sachverständigenurteil über die Kirche am 11.August 1955: „Gegenüber der schlichten äußeren Erscheinung der Kirche ist das Innere zerrissen und unruhig.“ - eine Begründung folgte - wohl ein vernichtendes Urteil über das Kunstwerk von 1929.
So wurde im Dezember 1955 vom Sachverständigen des Kirchenbauamtes im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe ein Entwurf vorgelegt, nachdem im Laufe des Jahres 1956 die Kirche völlig neu gestaltet wurde: Die Kirche erhielt in einem Anbau einen Chor (Altarraum) und einen hiervon abgehenden Gemeinderaum. Die Kanzel musste deshalb an eine andere Stelle versetzt werden. Im Zuge dieser Baumassnahmen wurden Kanzel, Altar und Taufstein neu gestaltet und erhielten ihre heutige Form. Ein buntes bleiverglastes Altarfenster der Künstlerin Elisabeth Streich schloss den Chorraum ab.

Seit 1995 schmücken die „Taufkreuz“ genannten Aquarelle des Oberkircher Künstlers Rainer Nepita an der Wand hinter dem Taufstein die Kirche.


